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Signale, Signale


Meine Artikelreihe, die 2017 auf der Happy Dog Insider Facebookseite erschien, findet ihr zusammengefasst.

Im Rahmen unser Expertinnen-Runde zum Thema "Signale, Signale!" beleuchtet Heidrun Pusch von respekTIERt das Thema der Signale mal ganz genau:

Blog 025 HappyDogInsider01Fakten rund um Signale

Zuerst einmal klären wir die wichtigsten Fragen und Fakten rund um das Wort Signale.

Was bedeutet Signal?
Ein Signal ist ein Zeichen, dem eine feste Bedeutung zugeordnet ist. Eine Information kann durch ein Signal transportiert werden. Dazu benötigt man einen Sender und einen Empfänger.

Signal versus Kommando
Wir verwenden bei unserem Training ausschließlich das Wort Signal anstatt Kommando. Warum? Weil viele Menschen mit dem Wort Kommando Strenge oder Durchsetzung verbinden und oft automatisch dabei lauter werden oder gar mit dem Hund schreien. Es wird als Warnbefehl für den Hund verstanden, der, wenn er das Kommando nicht ausführt, bestraft wird. Mit dem Wort Signal wollen wir dem Hund die Möglichkeit geben, auf unser Angebot der Ausführung des gewünschten Verhaltens einzugehen und sich eine Belohnung zu verdienen. i-Tüpferl-Reiterei? Finden wir nicht, denn deine Worte bestimmen dein Handeln!

Was kann alles ein Signal sein?
Kurz gesagt: Alles! Ob bewusst oder unbewusst, gewollt oder nicht – jede Veränderung in der Umwelt kann zu einem Signal werden. Du nimmst die Leine in die Hand und dein Hund springt auf und ab? Dein Hund riecht deine Wurstsemmel, von der du ihm in letzter Zeit öfters etwas abgegeben hast, und setzt sich brav vor dir hin? Du gehst zum Kasten (in der die Hundebürste liegt) und dein Hund flüchtet? Das sind alles Signale, die deinem Hund ankündigen was als nächstes kommt und dementsprechend reagiert er darauf.

TIPP 1:
Lege dir eine Signalliste an. Damit jedes von dir definierte Signal (sei es ein Wort oder ein Sichtzeichen) auch die gewünschte Bedeutung hat. Gerade im Mehrfamilienhaushalt kann das für Klarheit beim Hund sorgen.

TIPP 2:
Beobachte einmal, welche Signale in der Umwelt auf deinen Hund warten und wie er darauf reagiert. Auch das kannst du dokumentieren, vor allem, wenn es darum geht, dass du sein Verhalten in bestimmten Situationen ändern möchtest.


Blog 025 HappyDogInsider02Signaleinführung

Gleichzeitig, vorher, nachher? Ja wann denn nun? Wann ist es Zeit das Signal für ein bestimmtes Verhalten einzuführen und wie genau?

Zuerst einmal muss das Verhalten, für das wir ein Signal vergeben möchten, ausgelöst und belohnt werden – damit dein Hund das auch öfters zeigt. Das kann durch Shaping (freies Formen des Verhaltens), Locken oder Prompting (alles was die Wahrscheinlichkeit, dass dein Hund das Verhalten zeigt erhöht) sein, oder dein Hund zeigt es bereits in einer bestimmten Situation.

Wenn du jetzt zuverlässig voraussagen kannst, dass dein Hund das Verhalten zeigt, weil du es schon gut belohnt hast und es sich daher für ihn lohnt, ist es Zeit das Signal dafür einzuführen.
Es gilt immer die Regel: Neues Signal vor altes Signal.

Das sieht in der Praxis so aus:
Hund setzt sich vor dir hin, weil du ihn mehrmals hintereinander mit Futter in die Position gelockt hast. Jetzt gehst du 2 Schritte zurück, damit dein Hund aufsteht und gibst dein gewähltes Wortsignal „Sitz“ (noch bevor dein Hund irgendetwas macht = neues Signal) und danach hilfst du ihm mit deiner Hand (so wie du vorher gelockt hast = altes Signal) in die Position. Vergiss die Belohnung nicht. Nach mehrmaligen Wiederholen kannst du probieren das alte Signal wegzulassen.

Du kannst auch bestehende Signale ändern, indem du einfach das neue Signal vor dein altes schaltest. Probiere es doch mal aus!

Fallstrick: Achte darauf, was dein Hund genau in dem Moment macht, wenn du dein Signal gibst! Mehr dazu im Beitrag „Signale als Verstärker“!


Blog 025 HappyDogInsider03Versteht mein Hund Signale?

Was genau löst das Verhalten deines Hundes aus?

Oft sind es kleine Hilfen, die wir zusätzlich zu unserem gewählten Signal mit unserem Körper geben. Hunde können kleinste Bewegungen von uns lesen und reagieren darauf.

Teste doch einmal aus, wie viele Hilfen dein Hund wirklich braucht um deine Signale zu verstehen. Beginne mit einem einfachen Verhalten – zum Beispiel Sitz.

Versteht dein Hund dich, wenn du das Signal (nur Wort oder nur Handzeichen) gibst während du…

  • auf einem Stuhl sitz?
  • mit dem Rücken zu ihm stehst?
  • in ein Buch blickst?
  • auf einem Bein stehst?
  • ein Handtuch über den Kopf hast?
  • auf dem Boden liegst?
  • eine Sonnenbrille auf hast?
  • nur das Wortsignal gibst und dabei stocksteif stehst?

…was fällt dir noch ein?

Wenn du dich dabei filmst, kannst du die Ergebnisse noch viel besser auswerten!


Blog 025 HappyDogInsider04Signalkontrolle

Signalkontrolle ist ein spannendes Thema!

Echte Signalkontrolle bedeutet:

  • Der Hund zeigt das Verhalten sofort beim Signal
  • Der Hund zeigt das Verhalten bei keinem anderen Signal
  • Der Hund zeigt kein anderes Verhalten auf das Signal
  • Der Hund zeigt das Verhalten nie ohne Signal

Dabei geht es natürlich eher um Trainingssituationen als den Alltag. Denn der Hund darf sich natürlich auch hinsetzen, wenn er das einfach so möchte.

Schauen wir uns die einzelnen Punkte mal genauer an:

Der Hund zeigt das Verhalten sofort auf Signal
Dazu muss erstmal klar sein, ob dein Hund auch deine Signale versteht. Das hatten wir im vorherigen Beitrag „Versteht mein Hund meine Signale“. Auch das „sofort“ kann man üben, in dem der Hund nur einen bestimmen Zeitraum (z.B. 3 Sekunden) Zeit hat, das Verhalten auszuführen. Danach wird er nicht mehr belohnt.

Der Hund zeigt das Verhalten bei keinem anderen Signal
Welche Signale sind deinem „Sitz“ ähnlich? Blitz, Hitz, itz, Si,…
Reagiert dein Hund darauf? Du kannst auch eine Reihe von Worten sagen und irgendwann dazwischen kommt dein eigentliches Signal. Zum Beispiel: Haus, Maus, Laus, Hitz, Blitz, Raus, Sitz

Der Hund zeigt kein anderes Verhalten auf das Signal
Da stellt sich natürlich wieder die Frage ob dein Hund das Verhalten schon mit dem bestimmten Signal verknüpft hat und ob du für genug Wiederholungen gesorgt hast.

Der Hund zeigt das Verhalten nie ohne Signal
Wiederhole eine Übung – also Signalgabe, Ausführung und Belohnung, 3 – 4 Mal. Danach wartest du kurz ab (zähle im Kopf bis 2) und wenn dein Hund in der Zeit nichts gemacht hat, gibst du dein Signal erneut und belohnst ihn wenn er es ausführt. So verstärkst du die Pause dazwischen und lernst deinem Hund auf dein Signal abzuwarten. Variiere die Zeit dazwischen/Pause, aber achte darauf, dass du nicht zu viel verlangst! Sollte dein Hund in der Pause das Verhalten zeigen, darfst du ihn nicht dafür belohnen, sondern ignorierst es einfach.


Blog 025 HappyDogInsider05Signale als Verstärker

Heute kommt der schwierigste Fallstrick im Training über positive Verstärkung überhaupt!

Jedes Signal, welches der Hund über positive Verstärkung erlernt hat, ist ein Verstärker für sein vorheriges Verhalten.

Uff … das muss man erstmal sitzen lassen.

Was bedeutet das jetzt im Alltag?

  • Immer wenn du deinen Hund rufst – mit dem Rückruf, den du immer fürstlich belohnt hast – verstärkst du damit das, was dein Hund gerade in dem Moment getan hat.
  • Immer wenn dein Hund unaufmerksam ist und in der Gegend herumschnüffelt und du dein Aufmerksamkeitssignal gibst, verstärkst du das Verhalten damit.

Wie kommst du da raus?

  • Achte generell darauf, was dein Hund gerade tut wenn du ihm ein Signal gibst.
  • Gib dein Rückruf- oder Aufmerksamkeitssignal in 80% der Fälle dann, wenn dein Hund sowieso gerade aufmerksam ist oder am Weg zu dir oder in deiner Nähe. Nur in 20% der Fälle gibst du es, wenn dein Hund etwas Unerwünschtes macht. So verstärkst du zum einen, die Aufmerksamkeit zu dir im Alltag und zum anderen machst du dir deine Signale damit nicht kaputt.

 

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