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Stellungnahme zur geplanten Maulkorbpflicht


Probleme, welche die Maulkorbpflicht mit sich bringt

1. Für Hunde, die das Tragen des Maulkorbes nicht gewöhnt sind, wird sich der Stresslevel erhöhen. Dies führt zu einer leichteren Reizbarkeit im Alltag.

2. Natürliche Verhaltensweisen und Bewegungsmöglichkeiten sind nicht im nötigen Ausmaß durchführbar und führen zu Frust wodurch Verhaltensauffälligkeiten begünstigt werden. (Was nicht ausreichend möglich ist: Schnüffeln, Spielen mit Spielzeug, Kontaktspiele mit anderen Hunden, Kontaktaufnahme mit anderen Hunden – Schnüffeln am Hinterteil)

3. Das Kommunikationsverhalten der Hunde (Gesichtsmimik) gegenüber Hund und Mensch ist durch den Maulkorb stark eingeschränkt.

4. Der Maulkorb muss zuerst antrainiert werden - dieses Wissen haben viele Hundebesitzer nicht und wenn dem Hund der Maulkorb einfach aufgesetzt wird führt dies zu einer massiven Beeinträchtigung des normalen Verhaltens. Vermehrte Übersprunghandlungen und andere stressbedingte Verhaltensweisen sind vorprogrammiert.

5. Durch nicht passende Maulkörbe (oder die Verwendung von sogenannten Maulschlingen) kann es zu Problemen mit der Temperaturregulierung (Hecheln), der Flüssigkeitsaufnahme und/oder zu Druckstellen kommen, die das weitere Tragen eines Maulkorbes unmöglich machen.

6. Der Maulkorb vermittelt ein falsches Sicherheitsgefühl - "Der Hund kann eh nix tun".
    Dazu gehört:

  • Die Hunde könnten dadurch vermehrt in unangepasste Situationen (geringerer Sicherheitsabstand zu Menschen, Hunden,…) mitgenommen werden, in dem Irrglauben, dass mit Maulkorb nichts passieren kann.
  • Die Hemmschwelle für die Annäherung sinkt, wenn der Hund einen Maulkorb trägt – Menschen gehen näher am Hund vorbei, trauen sich eher den Hund (vor allem auch unaufgefordert) zu streicheln oder nähern sich von hinten an den Hund heran.

7. Der Hund kann trotz Maulkorb verletzen! Ein Drahtmaulkorb kann auch durch Stöße zu massiven Verletzungen führen.

8. Ausgrenzung und Stigmatisierung von bestimmten Hunderassen und deren Besitzer. Verantwortungsvolle Halter mit unauffälligen Hunden einer bestimmten Rasse werden in den gleichen Topf geworfen wie Halter, die sich nicht mit dem Verhalten ihres Hundes auseinander setzen und dadurch in den Medien auffallen.

9. Dies führt zu vermehrten Abgaben bestimmter Hunderassen, da sich die Halter dieser Belastung nicht stellen möchten oder können.

 

Die Punkte 2, 3, 4 und 5 sind nach dem Österreichischen Tierschutzgesetz als tierschutzrelevant einzustufen.

 

Blog 024 MaulkorbWelche Probleme der Maulkorb nicht löst

  • Die Ursache warum Hunde beißen.
  • Der Maulkorb erhöht nicht die Bereitschaft des Halters sich mit dem Verhalten seines Hundes auseinanderzusetzen.
  • Der Großteil der Beißunfälle findet in der häuslichen Umgebung statt (ca. 80%). In diesen Fällen bringt auch eine Maulkorbpflicht nichts.
  • Der Konflikt zwischen Hundehaltern und Nicht-Hundehaltern wird auch durch den Maulkorb nicht gelöst.
  • Der Maulkorb für „Listenhunde“ verhindert keine Beißvorfälle mit Hunden anderer Rassen (Beispiel: Ein Dackel der in NÖ ein Kind gebissen hat; Bernhardiner und andere große Rassen, sowie Jagdhunde stehen zum Beispiel auf keiner Liste).


Was wirklich helfen kann

Dazu müssen wir einmal beleuchten warum ein Hund überhaupt beißt.

Die Gründe warum ein Hund beißt, können sein:

  • Stresssituationen in denen der Hund bedrängt wird (absichtlich oder unabsichtlich, weil der Mensch den Hund und dessen Körpersprache nicht richtig einschätzen kann).
  • Der Hund wird an Stellen angefasst die für ihn sensibel sind.
  • Der Hund fühlt sich bedroht und kann nicht ausweichen.
  • Der Hund hat eine Ressource (z.B. Futter, Spielzeug) und verteidigt diese vor einem Menschen oder anderen Hund.
  • Der Hund hat Schmerzen oder gesundheitliche Probleme.
  • Der generelle Umgang mit dem Hund ist strafbasiert und ruppig, weswegen er ängstlich und eingeschüchtert ist.
  • Angst – Aus Verteidigung zum Schutz des eigenen Leben (der Hund fühlt sich so bedroht das er keine andere Möglichkeit sieht außer zu beißen)
  • Jagdverhalten – keine Beißhemmung erlernt
  • Frustration / hohe Erregungslage
Kein Hund beißt ohne Grund!

Die Regeln, die aufgestellt werden, müssen für alle Hunde gelten oder für keinen!
Nach Rasse einen Unterschied zu machen hat absolut keinen Sinn.
Jeder Hund kann beißen - vor kurzem hat ein Dackel ein Kind ins Gesicht gebissen.
Dieser steht auf keiner Liste.

Sehr selten – beißt ein Hund „ohne Vorwarnung“

Beißen ist meist der letzte Ausweg – die letzte Chance für den Hund um sich und das zu verteidigen was ihm wichtig ist. Davor passiert ganz viel. Der Hund zeigt verschiedene körpersprachliche Signale, die es, wenn man sie erkennt, möglich machen richtig darauf zu reagieren und einen Biss zu vermeiden.

 

Blog 024 Maulkorb2Was wirklich gegen die Beißvorfälle hilft und wie für ein harmonisches Zusammenleben zwischen Mensch und Hund gesorgt werden kann.

Hunde gelten als der beste Freund des Menschen und leben eng mit uns zusammen. Daher passieren die meisten Beißunfälle im häuslichen Umfeld mit dem eigenen Hund.
Das Fehlende Wissen über die Körpersprache des Hundes, um brenzlige Situationen richtig zu erkennen, und ein strafbasierter Umgang mit dem Hund begünstigen die Beißvorfälle.

 

  • Verpflichtende Schulung für jeden Hundehalter in Körpersprache, Umgang mit dem Hund und Verhalten im Alltag (dieser Umgang muss auf Methoden basieren die die Beziehung zwischen Mensch und Hund fördern und belohnungsbasiertes Training beinhalten. Stichwort: Tierschutzqualifizierte Hundetrainer. Strafbasiertes Training schafft kein Vertrauen!)

 

  • Aufklärung für Nicht-Hundebesitzer in Form von Kampagnen über das Verhalten beim Zusammentreffen mit einem Hund (etwas Abstand halten beim Vorbeigehen, nicht zu knapp am Hund von hinten vorbeigehen, als Radfahrer sich bemerkbar machen, damit der Hund Zeit hat auszuweichen,...)

 

  • Aufklärung schon im Kindergarten und in der Schule – Kinder begegnen in der Familie oder im Freundeskreis schnell fremden Hunden und sollten dann wissen, wie sie sich verhalten können.

 

  • Kontrolle der Leinen- und Maulkorbpflicht laut der aktuell gültigen Gesetzeslage (Kärntner Landessicherheitsgesetz §8). Immer wieder wird von freilaufenden Hunden in der Innenstadt, in Parks usw. berichtet, wo eigentlich Leinen- oder Maulkorbpflicht herrscht.

Die Maulkorbpflicht ist ein Versuch die Gefahr wegzusperren, ohne sich mit den Ursachen zu beschäftigen. Die Debatte entstand durch fahrlässiges Handeln von Menschen und zieht als Konsequenz eine Bestrafung der Hunde in Betracht.
Aufklärungsarbeit zu leisten und die bestehenden Gesetze zu kontrollieren ist wesentlich sinnvoller als neue Gesetze, die zu anderen Problemen führen, zu generieren.

 

Heidrun Pusch
Zert. Tiertrainerin
Tierschutzqualifizierte Hundetrainerin
Tierschutzreferentin (Tierschutz macht Schule)

&

Martin Sadounik
Zert. Tiertrainer
Tiergestützte Intervention

 

 

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